Deutschlandradio, wo jeder schreiben darf

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[Der folgende Text enthaelt Beispiele rassistischer Sprache und bespricht Rassismus]

Anscheinend darf fuer das Deutschlandradio echt JEDE_R Kommentare verfassen. Nach dem fuerchterliche Gottgeschiebe hat jetzt Burkhard Mueller-Ullrich sich mal so richtig ueber Political Correctness auskotzen duerfen, weil in der neuen Ausgabe des klassischen Kinderbuchs “Die kleine Hexe” von Otfried Preussler, aber auch schon frueher in “Pippi Langstrumpf” von Astrid Lindgren, das mittlerweile absolut nicht mehr passend “Neger” durch andere Begriffe uebersetzt worden ist.

Die Argumente dafuer sind nun einfach einsichtlich, und Anatol Stefanowitsch hat sie auch eingehend aufgearbeitet, dem ist nichts hinzuzufuegen. Anatol hat auch bereits die Dumpfheit der Reaktionen der Kaeseblaetter angemahnt, aber vom Deutschlandradio muesste man mehr erwarten duerfen, ist es doch wirklich ein oeffentliches Medium. Mehr gibt es in der Tat, aber leider mehr Dummheit.

Jeden einzelnen Satz dieses Kommentars koennte man paragraphenweise zerlegen, aber warum? In der Zeit hat so einer wie Burkhard Mueller-Ullrich schon wieder drei neue Hetzartikel ausgeschissen. Und es gibt auch keinen Grund, das sanfter zu formulieren: Der Artikel strotzt vor stolzem Rassismus und bedient sich gewaltig aus der tiefsten Guellegrube an Kampfbegriffen.

Von “Saeuberungskampagnen” ist die Rede und “gedankenlosem Aktivismus” und “Kulturbanausentum” und einer “wild gewordenen Sprachpolizei”. Und das alles nur, weil wir gesellschaftlich erkannt haben, das wir ein Wort nicht mehr verwenden sollten, das andere Menschen institutionalisiert diskriminiert und als minderwertig beschreibt.

Aber Mueller-Ullrich reicht es nicht, sich darueber lustiug zu machen (und gleich noch geschlechtsneutrale Sprache gleich abzuhandeln), nein er erfindet sogar noch neue Woerter. Als “Entnegerung” bezeichnet er die Neuuebersetzung der Kinderbuecher. Da zeigt sich der Rassist. Er begeht nicht nur rassistische Taten, nein er steht voll ueberzeugt dahinter und setzt noch einen drauf. Ich weiss nicht, warum das Deutschlandradio Rassisten eine Plattform gibt.

Voellig entlarvend ist uebrigens wenn er schreibt, “Selbst die Bibel ist vor dem Furor der linguistischen Reinigungsbrigaden nicht gefeit und wird jetzt “in gerechter Sprache” angeboten.”. Besser kann er nicht zeigen, dass er gar nicht bereit ist ueber Argumente nachzudenken. Daher ist es auch unnoetig, auf seine einzugehen – wenn er nicht mal seine eigenen durchdenken will? Oder liest Mueller-Ullrich etwa seine Bibel in Altgriechisch, womoeglich mit eingestreuten Originalzitaten in Aramaeisch? Natuerlich nicht, er hat eine Version in gerechter Sprache, und die gerechte Sprache stammt von Uebersetzern und aendert sich eben mit der Zeit.

Und darin liegt der Kern des Unverstaendnis, das hinter der Wand aus Rassismus und dem schwachen Versuch, ernstgemeinte Bemuehungen hinter dem bedeutungsfreien Begriff “Political Correctness” zu verschleiern: Dass Sprache sich aendert. Dass Bedeutungen sich aendern. Und dass es keine Geschichtsfaelschung ist, Kulturgueter wie lieb gewordene Kinderbuecher weiterleben zu lassen, sondern ein Akt lebendiger Kultur und Kunst. Kunst wird ueberarbeitet und neu interpretiert. Wie bescheuert ist es auch, das als “Verschwindenlassen von Geschichte” zu bezeichnen oder von eine Gedankenpolizei zu faseln. Er hat seinen Dreck doch gerade im oeffentlichen Radio unterbringen duerfen. Es ist wohldokumentiert, das Worte geaendert wurden. Und wenn diese Kinderbuecher iin 100 Jahren noch gelesen werden, dann sicher in Neueuebersetzungen in denen noch viel, viel mehr Woerter geaendert wurden. Der Club der weissen reichen Maenner kann es nur nicht ertragen, wenn sich Dinge aendern. Und da will sich Burkhard Mueller-Ullrich eben mit der ganz dicken Ekelkeule die Ehrenmitgliedschaft sichern.

 

Nachtrag: Anatol hat sich doch noch mit der Sache befasst, ihr solltet seinen Podcast dazu unbedingt anhoeren!