Die Politik der Black Panther Party
Ich lese mich gerade etwas in die Geschichte der Black Panther Party ein, die in meiner neuen Heimatstadt Oakland begann. Ich habe bisher zwei Bücher gelesen, aber das neue Black Against Empire von Joshua Bloom and Waldo E. Martin, jr. gibt die erste komplette Übersicht über die politische Entwicklung der kurzlebigen aber supereinflussreichen Black Panther, and bietet daher einen guten Einstieg in eine Diskussion der Partei. Die Autoren schaffen den schwierigen Akt, einen Weg durch das komplexe Netz der Entwicklung der Panther zu schlagen, und konzentrieren sich dabei auf deren Politik.
Huey Newton and Bobby Seale hatten sich am Merritt College in Oakland getroffen, und waren zunächst in einer Studentengruppe aktiv. Schnell waren sie von deren Arbeit disillusioniert, und starteten ihre eigene Gruppe, die Black Panther Party for Self-Defense. Das zentrale Element ihrer frühen Politk war es, für die von der Verfassung verbrieften Rechte einzustehen, Waffen zu tragen und sich zu verteidigen. Während der Kern der Black Panther-Politik soziales Engagement zur Stärkung der Gemeinschaft betonte, war es wirklich revolutionär, wie sie sich gegen die Polizei wehrten.
Black Power
In den 60er Jahren beklagten junge Schwarze in den USA, dass die Missstände, die sie erlebten, nicht ausreichend durch die Schwarze Bürgerrechtsbewegung beantwortet wurden. Ein Großteil von ihnen lebten in Ghettos, die, wie es die Black Power-Bewegung definierte, Kolonien mitten in einem weißen Staat waren. The Polizei agierte wie eine Besatzungsmacht, und konnte fast ungehindert mit brutaler Gewalt gegen die Bewohner*innen vorgehen.
Darüber hinaus hatte, wie Bloom und Martin argumentieren, die Bürgerrechtsbewegung sich selbst die Basis ausgewaschen, indem sie tatsächlich erfolgreich gewesen war und Zugeständnisse erreicht hatte, wie den Civil Rights Act in 1964.
Daraus erwuchs die Black Power-Bewegung, die auf den Lehren Malcolm X aufbaute, und von prominenten Anführern wie Stokely Carmichael geleitet wurde, der die Bezeichnung “Black Power” prägte. Aber keine dieser Organisationen war so erfolgreich wie die Black Panther Party.
Deren erfolgreiche, erste Idee war das von der Verfassung garantierte Recht zu nutzen, um sich zu bewaffnen und gegen die Unterdrückung durch die Polizei zu verteidigen. Besonders Newton hatte die Gesetze bis auf die Satzzeichen genau studiert, und wusste was erlaubt war und was nicht. Er und Bobby Seale verkauften Maos rotes Buch, um Geld einzunehmen und Waffen zu kaufen. Und so erlangten sie erste Anerkennung, als Newton sich gegen unfaire Polizei-Kontrollen verteidigte.
Sie fuhren mit vier Mann im Auto, mit deutlich sichtbaren Gewehren und Pistolen, an einem Polizeifahrzeug vorbei (Es war erlaubt, Waffen offen in der Öffentlichkeit zu tragen – aber nur offen. Sie durften sie nicht gegen eine andere Person richten. Sie konnten Gewehre im Auto führen, durften sie aber nicht laden. Diejenigen, die auf Bewährung frei wahren, durften keine Pistolen besitzen – aber Gewehre). Sie wurden natürlich gestoppt. Aber da sie ganz genau wussten, was sie durften und was die Polizei nicht durfte, konnten sie sich in Wort und Geste, das Gewehr im Anschlag, gegen die Polizei (die sie immer nur als “Schweine” bezeichneten) verteidigen. Bald begann ihre Zahl zu steigen.
Nationale Aufmerksamkeit erlangten sie, als eine Delegation der Black Panther Party, angeführt von Bobby Seale, mit Gewehren ins Kapitol in Sacramento marschierte, wo gerade der Mulford Act von 1968 diskutiert wurde, der das öffentliche Tragen von Waffen begrenzte. Leider habe ich weder aus diesem Buch, noch aus Seize the Time von Bobby Seale 1 wirklich die Details dieses Gesetzes erfahren. Aber mit der Verabschiedung des Gesetzes verschob sich die politische Aktivität der Partei, hin zu Aufrufen zum gewalttätigen Aufstand gegen den Polizeistaat. Aber die Panther wussten, dass dies nur mit breiter Unterstützung der Gemeinschaft und Gesellschaft gelingen konnte.
Während die heroischen Akte der Selbstverteidung im Kontext ihrer Zeit zu sehen sind, und den Menschen zeigten dass es möglich war, sich gegen die Unterdrückung zu verteidigen, sind zwei Richtungen politischer Aktivität aus heutiger Sicht so relevant wie damals:
Die erste ist, dass Einheit aus der eigenen Nachbarschaft aufgebaut werden muss. Die Black Panther Party stand immer für ihre Mitmenschen ein, patrollierte die Polizei, half, dass Ampeln an gefährlichen Kreuzungen gebaut wurden oder führte Proteste gegen die Morde an Mitmenschen durch die Polizei an. Besonders ab 1969 starteten sie verschiedene Programme für ihre Gemeinschaft, das bekannteste das Frühstücksprogramm für Kinder, aber auch viele weitere, die älteren, armen oder abgehangenen Mitmenschen halfen. In ihren berühmten Zehn Punkten machten sie ihre Forderung auf angemessene Wohnungen, Arbeit und Brot für alle klar. Und eine Botschaft, die die Stadt Oakland auch heute immer noch nicht versteht: Dass erfolgreiche Polizeiarbeit nur gelingt, wenn die geschützte Gemeinschaft sie selbst überwachen kann, und die Kontrolle von innerhalb, nicht von außerhalb kommt. Daher war eine Kernforderung der Partei: Polizisten müssen in der Nachbarschaft wohnen, in der sie ihre Arbeit verrichten.
Die zweite wichtige Strategie der Partei war die Erkenntnis, dass viele weitere Gruppen genau so von staatlicher Repression betroffen sind, nicht nur Gruppen unterschiedlicher Herkunft (wie La Raza oder junge Puerto Ricaner*innen), aber auch arme Weiße*. Noch darüber hinaus verknüpften sie ihre Ideen direkt mit den Befreiungskämpfen in Vietnam, und machten die Ziele der Bewegung gegen den Vietnamkrieg zu ihren eigenen. Auch wenn die Black Panther Party ausschließlich für Schwarze* war, war ihre Philosophie stark humanistisch geprägt: Gegen jede Form des Rassismus, und auch gegen Sexismus. Sie formte mit anderen Bewegungen eine starke Front gegen weißen Imperialismus.
Aufstieg und Fall
Bloom und Martin zeigen wie diese politische Ausrichtung zwischen 1968 und 1971 sowohl zum schnellen Aufstieg wie auch zum schnellen Fall der Partei führte. Von Anfang an hatte die Partei Verbündete in anderen Menschenrechtsbewegungen gesucht und gefunden, die durch die extreme staatliche Unterdrückung der Black Panther Party motiviert waren, diese zu unterstützen. Besonders ab der Machtergreifung durch Richard Nixon in 1969 wurden die Black Panther verfolgt, und J. Edgar Hoover, Leiter des FBI, bezeichntete sie gar als größte Gefahr für die nationale Sicherheit.
Mit der Ermordung Martin Luther King jr. wurde 1968 der Traum einer gewaltfreien Revolution zerstört, und Mitgliedschaft in der Black Panther Party stieg dramatisch an.
Und so sah eine Parteiführung, geschwächt durch inhaftierte und ermordete Anführer*innen, sich gezwungen eine national agierende Organisation finanziell am Leben zu erhalten. Aber mit der Abwicklung des Vietnamkrieges, und staatlicher Maßnahmen, wie gesetzlich stärkerem Vorgehen gegen Diskriminierung, war eine gewisse Zahl an Forderungen erfüllt worden, und – wie es bei der schwarzen Bürgerrechtsbewegung der Fall gewesen war – die Unterstützung der Black Power-Bewegung durch Verbündete sank. Darin sehen Bloom und Martin den Kern des Untergangs der Partei.
Mit sinkenden Einnahmen konfrontiert, beschränkte die Black Panther Party ihren Einflussbereich wieder nach und nach auf Oakland. In 1971 spaltete ein ideologischer Streit die Partei. Eine Gruppe um Elridge Cleaver, den Vordenker der Partei 2, forderte die Aufnahme eines Guerillakrieges und wurde durch einige New Yorker Abteilungen unterstützt. Die Führung warf sie aus der Partei. Ihre Strategien hatten sich verändert: Wegen vom Aufruf zum bewaffneten Kampf gegen die Polizei, hinzu zur Betonung sozialdemokratischer Basisarbeit, in der Hoffnung die Unterstützung durch andere Organisationen nicht zu verspielen. Doch schlussendlich konnten sie das nicht und schrumpften wieder auf die Größe der Lokalpolitik in Oakland zurück.
Huey Newton, Vorbild der Partei, verfiel in starke Depressionen und veränderte sich in eine weniger als tragische Figur für den Rest seines Lebens. Die Partei erlebte eine kurze Wiedererweckung zwischen 1974 und 1977 unter der Leitung von Elaine Brown und erzielte deutliche Erfolge auf Stadtebene. Aber mit der Rückkehr Newtons aus dem Exil in 1977, verließ Brown die Partei und deren Schicksal war besiegelt.
Ein weiterer Faktor für den Untergang der Partei war die extreme Unterdrückung von staatlicher und polizeilicher Ebene. Aber die Aufdeckung, dass die Verbindungen zu anderen Organisationen und Bewegungen der Kernfaktor im Aufstieg und Fall die Black Panther Party als einzigartige Rebellengruppe in den USA herausstellen, ist die Hauptleistung der Forschung Blooms und Martins.
Es bleibt noch sehr viel übrig zu schreiben über die Partei, vor allem auch über das abscheuliche Verhalten des Staates, der unentwegt Panther verhaftete und ermordete. Ich werde sicherlich noch mit mehr Details zu diesen Themen zurückkehren.
-
G.
-
http://www.diaxsrake.de/ Joerg Rings
-